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Bergsträßer Anzeiger,  Ausgabe für Samstag/Sonntag,  27./28. Oktober 2007
 

Einer gibt den Löffel ab - die anderen suchen den Mörder
PIPAPO:  Ensemble inszeniert Kriminalkomödie nach Alan Ayckbourn  /  Premiere von "Jeder kann's gewesen sein"

BENSHEIM.  Der Titel ist Programm: "Jeder kann's gewesen sein. Daher haben die Schauspieler des PiPaPo-Theaters gleich drei verschiedene Lösungen im Angebot - jeden Abend wird eine andere gespielt. Mitgrübeln und kombinieren ist also ausdrücklich erwünscht.

  Wer die rundum gelungene Eigenproduktion nach der Vorlage des britischen Vielschreibers Alan Ayckbourn auf der Bensheimer Kellerbühne richtig genießen will, der sollte die Story ohnehin keine Sekunde aus den Augen lassen. Bloß nicht zwischendrin auf die Toilette gehen - es gibt eine Pause.

  "It Could Be Anyone Of Us", so der Originaltitel des 1983 uraufgeführten Stücks, ist eine Kriminalkomödie nach dem Prinzip des Comedy-Thrillers klassischer Art.   Tempo und tiefschürfende Charakter-Ops sind dabei so unnötig wie nur irgendwas. Es geht um sechs Typen, von denen einer den Löffel abgibt und die anderen an einer Lösung knabbern. Auf der Bühne herrscht eine subtile Spannung und tragikomische Stimmung, die von den eher oberflächlichen, aber pointierten Ayckbourn-Figuren bestens beschleunigt wird.

  Bei der Premiere am Donnerstag hat das PiPaPo-Ensemble alles richtig gemacht:
Die Aufführung bestach durch süffige Dialoge und sauber gezeichnete Charaktere.

"Jeder kann's gewesen sein" hatte am Donnerstag im "PiPaPo"-Kellertheater eine erfolgreiche Premiere.        Tz/Bild: Lotz 

Regisseur Jürgen Rehm hat das Stück sensibel und dramaturgisch stimmig auf die Bühne gebracht. Vom Publikum gab es den verdienten Premierenapplaus für einen unterhaltsamen Theaterabend.

  Schon die Szenerie riecht nach Unheil: Ein abgelegenes Herrenhaus und darin sechs mysteriöse Gestalten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Die richtigen Zutaten für ein Mords-Menü, das ganz langsam vor sich hin köchelt und den Zuschauern recht elegant serviert wird: Drei verschrobene Künstler-Geschwister müssen sich in eine Bude zwängen, weil ihre artistischen Ambitionen erfolglos geblieben sind.

  Da ist der bockige Komponist und Haus-besitzer Mortimer, der das gesamte Anwesen

seiner ehemaligen Klavierschülerin Wendy vererben will - und damit sein Todesurteil unterschreibt.
  Als Mortimer mit einer Kopfwunde in die Horizontale geht, stellt sich die Frage nach dem Wer und Warum. Drei dubiose Mordanschläge auf die Erbin - und jeder ist verdächtig. Die erfolglose Krimiautorin Jocelyn, ihre zickige Tochter Amy und der Maler Brinton. Niemand hat ein Alibi, allein der orientierungslose Schnüffler Norris sieht seine große Stunde gekommen.
  Der Pfad ins Finale ist je nach Aufführung unterschiedlichabgesteckt, durch kleine Verschiebungen im Plot hält das Stück drei Lösungen parat. Eine Idee, die auch im Publikum Wiederholungstäter produziert. Das Ensemble war äußerst premierenfest: Fritjof Hajunga als störrischer Betonkopf Mortimer,

Martin Knittel in der Rolle des Norris und Carlo Moldenhauer als Brinton präsentierten sich spielfreudig und textsicher.
  Doch es waren die Damen auf der Bühne, die der Inszenierung den nötigen Pfeffer gaben: Anette Fischer glänzte als nervöse Jocelyn, während Carolin Banasek-Richter eine stille und undurchsichtige Wendy zeichnete, der man zu später Stunde so ziemlich alles zuzutrauen vermochte. Lässig und konzentriert wirkte Cosima Schuster in der Rolle der dauergenervten Tochter Amy: Der Dialog mit Wendy, bei dem sie deren Handtasche mit Frühstücksflocken und Milch in einen Müslieimer verwandelt, war eines der Glanzlichter der Aufführung, die von Guido Franz ins rechte Licht gerückt wurde.
  Der gute Ton kam von Carlo Moldenhauer, das Bühnenbild wurde von Otto Lenz gestaltet.                                                                           tr