Das "Darmstädter Echo" über die Kindertheater-Premiere 2010:
"Der König in der Kiste" von Paul Maar
»Der König in der Kiste« : Ein Griesgram intrigiert
Kinderstück: Das Pipapo-Kellertheater spielt in Bensheim ein Stück von Paul Maar
BENSHEIM.
Wo zwei Könige träumerisch zur Gitarre greifen und heitere Weisen trällern statt
das Zepter der Regentschaft hochzuhalten, ist man mittendrin im Märchen.
Am Mittwoch war im Pipapo-Kellertheater Premiere des Stücks »Der König in der Kiste«
nach dem Kinderbuch von Paul Maar. Bei der Aufführung am Abend waren Eltern und
Pädagogen gleichsam Vorkoster des neuen Stücks. Immerhin vier Kinder saßen dennoch
im Premierenpublikum, das sich königlich amüsierte.
Carlo Moldenhauer und Oliver Staffelt haben ein prächtiges Bühnenbild geschaffen,
bei dem klassische Säulen vorm roten Samtthron aufragen und Palast- oder
Landschaftsmalerei das Ambiente der jeweiligen Szene abbildet.
Den märchenhaften Charakter des Stücks arbeitet Regisseurin Carolin Banasek-Richter
im Zwist der Charaktere heraus: hier die Guten, da die Bösen.
Die Könige Alabaster und Hyazinth (Oliver Staffelt und Lukas Ritter) sind kunstliebende
Menschenfreunde, denen das Glück des Volkes am Herzen liegt. Poesie regiert ihre Welt.
Dies ist dem altmodischen Oberhofmeister ein Stachel in der Seele. Er plädiert für
»Ordnung und Verordnungen«, ein Volk hat nicht glücklich, sondern untertan zu sein.
Rainald Methlow spielt diesen Minister mit gepuderter Perücke und in eindrucksvoller
Livree. Sauertöpfische Mimik und nasales Gezeter geben eine grandiose Karikatur des
Griesgrams ab. Der eitle Spießer sieht sich im Hochmut seines Amtes dazu berufen,
jeglicher Lebensfreude einen Riegel vorzuschieben.
So ruft er die Hexe (Cecilia Kecskemethy) auf den Plan, die König Alabaster verschwinden
lässt und Hyazinth in die Flucht schlägt, um als Despotin dessen Gestalt anzunehmen.
Die Intrige um Macht nimmt ihren Lauf. Gelungene Akzente setzen detailliert ausgefeilte
Nebenrollen - sei es die dünne Frau (ebenfalls Cecilia Kecskemethy), die auf nervtötende
Weise fortwährend redet, sei es der dicke Mann (Renate Westphal), der unbeirrt Semmeln
und Würste mampft, um den Widrigkeiten im Königreich zu trotzen.
Schon scheinen die netten Könige besiegt, Tristesse hält Einzug, da taucht als hilfreiche
Fee die Tänzerin (Larissa Odobasik) mit ihrer poppig-blumigen Kiste auf.
Die Handlung wird auf eine zweite Ebene gelupft, als jene Kiste sich als zauberisches Puppentheater
entpuppt: Wer die Tür öffnet, wird klein, wer hinaustritt, ist groß. König Hyazinth gelangt
auf diese Weise zurück ins Schloss, wo es zum Finale kommt. Der Oberhofmeister wird am
Schopfe seiner Eitelkeit gepackt und überlistet, die niederträchtige Hexe endet in der
Theaterkiste: ein entmachtetes Figürchen in der Hand der Puppenspieler.