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Bergsträßer Anzeiger, Ausgabe für Samstag/Sonntag, 11./12. Oktober 2003, Nr. 235

Bensheim
BA14/LT14/LaLi14/HP14
Kristallprinzessin: Leuchtgestalt von einem anderen Stern
Turbulente und glanzvolle Inszenierung im PiPaPo-Kellertheater: "Rettung der Kristallprinzessin" / Farbenfrohes Bühnenbild

Bensheim.     Nun ist sie da, die Kristallprinzessin. Als sich am Donnerstag der goldene Vor- hang von ihrem Verlies öffnete, ging ein raunen durchs junge Publikum. Eine Märchen- prinzessin zum Greifen nah. Und was für eine! Langes, seidenes, himmelblaues Kleid, bemaltes, blauglitzerndes Gesicht, weißer Glitzerumhang und antennen- ähnliche Sensoren auf dem Kopf - eine Schöne, die tatsächlich wie eine Leuchtgestalt von einem anderen Stern erscheint. Doch das war nur der Anfang. Die Zuschauer im vollbesetzten Pipapo-Kellertheater erlebten in den folgenden 60 Minuten eine turbulente, glanzvolle Inszenier- ung der "Rettung der Kristallprinzessin".
    Nicht nur die Titelfigur zog die Blicke der Kinder und Erwachsenen auf sich. Die Charaktere, die Regisseurin und Autorin Ute-Marie Weis entwarf und auf die Bühne brachte, sind witzig gezeichnet und mit viel Kreativität und Liebe zum Detail ausgemalt. Sei es Trokan der Traumbringer, der Scheinriese Timpetu, Kamarr der Heizer, Sponk und Lloink das Wesen mit den zwei Köpfen, die zwei hektischen Vegahinkel, die Quell- göttin, Eurakon der Herrscher über Tarakarat oder der gefährliche Scarfaruu.


Eine Fantasy-Welt

    Ein weiterer Vertreter dieser Fantasy-Welt ist Kalumo der Außerirdische. Er und die beiden Erdenkinder Tom und Lisa sind die einzigen alten Bekannten. Die Kinder kennen sie noch aus dem ersten Teil der Geschichte und von den Aufführungen im vergangenen Jahr.
    Die galaktischen Bewohner sind unwirkliche Kreaturen, entfernte Nachkommen von ET & Co., die in einem Feuerwerk an dramatischen Szenen agieren und auf dem ebenfalls unwirk-

lichen Planeten Tarakarat mächtig auf's Tempo drücken.
    Eine spannende, aber auch gespenstische Geschichte. Doch je näher die seltsamen Geschöpfe den Kindern im Kellertheater auf die Pelle rückten, desto mehr verloren sie ihren Schrecken.
    Das Stück besteht aus zwei Handlungs-strängen. Zum einen geht es um die Rettung der Kristallprinzessin Chiara, die seit 128tausend Megaeiszeiten von Arkon, dem Kontrahenten des Herrschers Eurakon gefangen gehalten wird. Die Befreiung durch Tom und Lisa wird zu einem gefährlichen, actionreichen Unternehmen, bei dem sich eine gefährliche Situation an die andere reiht.
    Der Spannungspegel steigt weiter, als auf Tom, Lisa, Kalumo und die Kristallprinzessin eine weitere Aufgabe zukommt: Um die Bewohner von dem Despoten zu befreien, müssen sie die Quelle des Lebens wieder beleben. Jeder Tarakarataner muss von dem Wasser trinken um wachsen zu können.

    Das Quartett macht sich auf den Weg. Es besteht die Abenteuer in der Wüste Quinto Spoptar, in der sie auf den Scheinriesen Micro Timpetu treffen. Die Vier behalten klaren Kopf bei den hektisch-hyperaktiven Vegahinkeln, die gackernd um ihr frisch gelegtes Ei tanzen. Sie navigieren tapfer und zielstrebig durch das Tal der tanzenden Kugeln.
    Das Stück bleibt dabei immer auf Tuchfühlung mit den Kindern. Dies gilt besonders für die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren. Ein gutes Beispiel ist Kalumo, der die Kids mit seinem Knatschgrünen Gesicht und seinem sonderbaren Outfit zunächst eher auf Distanz gehen lässt. Doch in der Figur, die mit Carlo Moldenhauer vortrefflich besetzt ist, steckt so viel Leben und kindliches Temperament, das sie schnell zum Sympathieträger wird. Kalumo tanzt und hüpft ausgelassen, wenn die Freude groß ist. Wenn er Angst hat, stampft er sich quasi mit den Füßen die Angst aus dem Bauch.

    In dem zunächst befremdlich wirkenden Gewimmel und Gewusel stellen Lisa und Tom die direkte Verbindung zum Erdenleben her. Die zwei sind Geschwister. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und bestehen die gefährlichsten Abenteuer. Und was sich liebt, das neckt sich gelegentlich auch mal.

Raum für Gefühle

    Darüber hinaus bietet die Inszenierung viel Raum für Gefühle. Ein wichtiger Impulsgeber ist dabei die Musik, die die Szenen mal humorvoll untermalt, dann wieder sentimental daherkommt, oder fesselnde Spannung intoniert.
    Wenn es mal ganz brenzlig wird, schreiten die kleinen Zuschauer ein. Sie schreien laut oder klatschen und stampfen, um die Angst und die Schweißperlen auf den Stirnen des Quartetts zu vertreiben und das dämonische Ungeheuer zu besiegen.
    "Die Rettung der Kristall- prinzessin" ist das neunte Theaterstück für Kinder, das die Mannschaft des PiPaPo in einer Eigenproduktion inszeniert. Jedes Jahr entführte man die Zuschauer von neuem an ungewöhnliche, zauberhafte Schauplätze. Vom Räuberwald des Hotzenplotz ging es in die unterirdischen Höhlen des Kalle Wirsch, auf die Südseeinsel Titiwu, in den fernen Orient, und vom sonnigen Italien nun auf den fernen Planeten Tarakarat.
    Die Fantasiewelten wurden jeweils mit farbenfrohen, prächtigen Bühnenbildern ausgemalt. Eine Kunst, die das Pipapo perfekt beherrscht. Das gilt in besonderem Maße für die "Rettung der Kristallprinzessin".
    Unter der Regie von Ute-Marie Weis schlüpften sechs Schau- spieler in insgesamt 14 Rollen. Eine enorme Leistung, die Carlo Moldenhauer, Anette Fischer, Fritjof Hajunga, Martin Knittel, Sandra Kreuzer und
Bianca Lang erbrachten.
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ABENTEUER. Die Rettung der Kristallprinzessin heißt die neue Eigenproduktion des PIPAPO-Kindertheaters. Es ist die Fortsetzung des Stückes aus dem vergangenen Jahr, denn damals fragten sich viele Kinder "Können die Geschwister Tom und Lisa die Prinzessin Chiara retten?"  Regisseurin und Autorin Ute Weis hat die Geschichte mit ihrem Ensemble spannungsreich zu Ende erzählt und diesmal dürfen die Kinder sogar aktiv am Theater teilnehmen. Unser Bild zeigt von links: Sandra Kreuzer, Carlo Moldenhauer, Bianca Lang, Fritjof Hajunga und Martin Knittel.                                                 tn/Bild: Neu