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Bensheim.
Armer Eugen. Er ist ein so talentierter Schauspieler. Er könnte die Bühnen
der Welt erobern, wäre da nicht sein Sprachfehler mit dem 'schrecknischen'
Buchstaben L. So bleibt ihm nur die Pension Schöller, wo er Gäste bedient,
die sich dann auch noch über ihn lustig machen. 'Geh in ein Knoster, Ophenia!'
schauspielert Eugen voller Inbrunst und Leidenschaft, während Klapproth,
der Gast in der Pension ist und sie irrtümlich für ein Irrenhaus hält,
halb entsetzt und halb bewundernd ausruft: "Der perfekte Wahnsinn".
Und weiter dreht sich das FigurenkarusseIl der "Pension Schöller".
Vermeintliche Weltenbummler, Schriftsteller, Schauspieler, hochrangige
Militärs und Heiratssüchtige bevölkern die Bühnenwelt. Mit der Premiere
am Donnerstag im Pipapo-Kellertheater zündete das Ensemble ein Feuerwerk
der Charakterkomik. Das Publikum war von der rund zweistündigen Dauerattacke
auf die Lachmuskeln unter der Regie von Jürgen Rehm begeistert. Am Schluss
gab es einen Riesenjubel für einen mitreißenden Ausflug in ein Irrenhaus,
das keines war.
Zum Inhalt: Eine "Soiree der Verrückten" möchte der Großgrundbesitzer Philipp
Klapproth erleben. Sein sehnlichster Wunsch ist es, einmal die Insassen einer
Irrenanstalt zu studieren. Damit möchte er seine Stammtischbrüder beeindrucken.
Er bittet seinen Neffen, ihm den Wunsch zu er-
füllen. Der junge Mann bemüht sich
zwar sehr, schließlich winkt als Gegenleistung eine stattliche
Geldsumme, er wird aber nicht fündig. Als Lösung muss endlich die
Pension Schöller herhalten.
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Dort finden regeImäßig Gesellschaftsabende statt. Warum einen solchen Abend nicht
als "Soiree der Verrückten" ausgeben? Der Onkel geht hin und staunt nicht schlecht.
Nie wäre er auf die Idee gekommen, sich hier in "normaler Gesellschaft" zu befinden.
Auf Schritt und Tritt begegnen ihm bizarre Typen. Der Voyeurist kommt so voll auf
seine Kosten. In der Gewissheit nun das Innenleben einerIrrenanstalt kennen gelernt
zu haben, kehrt er auf sein Hofgut zurück.
Komödie mit Happyend
Klar, dass die Komödie ein Happyend hat, mit diversen Liebespaaren und
mittendrin ein Philipp Klapproth, dem einfach kein L mehr gelingen will
und der nun weiß, dass der Grat zwischen Normalität und Anormalität
äußerst schmal sein kann.
Das Stück lebt ganz und gar von der ausgezeichneten Darstellungskunst
der Akteure. Norbert Jakob mimt den Gutsbesitzer, der einen Blick über
den Tellerrand riskiert. Ihm gelingt es, das irrwitzige Geschehen
zielsicher auf die Pointen zuzutreiben. Die Doppelbödigkeit der Situation
und der Voyeurismus der Figur dienen ihm als perfekte Steilvorlage.
Sein Mienenspiel spricht Bände.
In der Pension begegnet Klapproth der Schriftstellerin Josefine Krüger
(Bettina Kügler), die, eher romantisch-naiv veranlagt, ihre Antennen stets
auf Aufnahme stellt. Begeistert lauscht sie den "Lebensgeschichten", egal
wie verrückt sie sind.
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Der Globetrotter Fritz Bernhardy (Matthias Lorenz),
der vom Indianer- ins Araberzelt umsiedelte und von dort in ein türkisches
Gefängnis wanderte, kennt jeden Winkel der Welt. Behauptet er zumindest.
Fritjof Hajunga karikiert einen eigenwilligen, herrischen Major, der stets
eine Uniform trägt und ohne Leseglas in einem Auge undenkbar wäre. Eine
köstlich-amüsante Figur ist auch der Möchtegern-Schauspieler Eugen, dem
Martin Knittel klare Konturen verleiht.
Von ganz anderem Format ist die fesche Amalie Pfeiffer, dargestellt von
Anette Fischer. Ihr Thema ist das Heiraten. Selbst Klapproth Senior rückt
sie augenrollend auf die Pelle. Und wenn er sie schon nicht selbst vor den
Traualtar führen kann, dann könnte sie doch wenigstens seine Schwiegermutter
werden. Ihre abgeklärte, etwas unnahbare Tochter Friederike (Jasmine 0lbort)
lernt das Publikum erst gegen Ende des Stücks kennen. Als Klapproth Junior
(Jan Hauptmann) ihr seine Liebe gesteht, verbirgt sie fast perfekt ihre Rührung.
Den Käfig voller Narren komplettiert Tanja Weber als Klapproths hochnäsige
und standesbewusste Schwester. In weiteren Rollen spielen Carlo Moldenhauer
als Pensionsdirektor Schöller und Hans Viktor Kohnle als Rezeptionsportier.
Für das Bühnenbild zeichnet Otto Lenz, für die Technik Guido Frantz verantwortlich.
Wer den Komödienklassiker erleben möchte, hat dazu noch oft die Gelegenheit.
Zum Beispiel heute ab 20.30 Uhr.
moni
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