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       Bergsträßer Anzeiger,  Ausgabe für Freitag,  10. November 2006

Witziges Ritterspektakel für große und kleine Zuschauer
KINDER-THEATER:  Am 16. November hat im PiPaPo-Keller "Der Drache und der Zauber-Efeu" Premiere / Bezaubernde Kostüme

Bensheim.  Wenn Frauen zu Übermenschen werden und den Kampf gegen Drachen aufnehmen, wenn der Ritter zum Gärtner und der Tourist zum Kaspar wird, dann ist PiPaPo- Kindertheater-Zeit. "der Drache und der Zauber-Efeu" heißt das neue Stück, das am 16. November Premiere hat.
 Die Märchenwelt erscheint hier unter einem anderen Vorzeichen. Anstelle der üblichen Idylle, die durch Miesmacher und Bösewichte ins Gruselige abrutscht und sich am Ende wieder zum Happyend empor schwingt, setzt der Autor ganz auf Komik und Ironie. Der Tscheche Jiri Lechner spielt mit den Klischees. Er bringt die typischen Figuren auf die Bühne, um sie humorvoll und witzig gegen den Strich zu bürsten.

Gärtner will einmal Held sein

 Grundlage der Inszenierung unter der Regie von Dr. Jürgen Rehm ist das Stück "Kaspar auf Burg Rabenstein" des ansonsten eher unbekannten Jiri Lechner. Er nannte sein Werk ein "Ritterspektakelstück für große und kleine Kinder". Neben viel feinsinnigem Humor bringt es eine Menge Spannung mit.
 Dabei ist der Anfang eher unspektakulär. Ein Tourist, Kaspar Müller, steht mit dem Reiseführer in der Hand vor einer alten Burg. Ein Gärtner, der sich als Ritter Kunz von Rabenstein ausgibt, tritt auf ihn zu und läßt ihn in ein Clownskostüm schlüpfen. Damit beginnt eine Reise in die Vergangenheit.


   Das Pipapo-Kellertheater feiert mit seiner Eigenproduktion "Der Drache und der Zauber-Efeu" am 16. November Premiere                                       tz/Bild: Lotz

Der Clown, immer auf der Jagd nach einem Späßchen, was ihm aber eigentlich gar keinen Spaß macht, trifft im Wald auf einen Drachen, dem er eine Jungfrau bringen soll. Aber wozu? Natürlich weil Drachen schon immer Jungfrauen erbeutet haben. So steht es in den Geschichten.
 Burg und Dorf sind in Aufruhr, die Bewohner halten Kriegsrat. Die stürmische Tochter des Dorfschulzen streift sich eine Ritterrüstung über und will den Kampf gegen das Untier antreten. Ein Kampf Mann gegen Drache, wie ihn einst Siegfried erfolgreich bestand, ist nichts für den Ritter von Rabenstein. Er  hat  Angst,  und  will  das  Problem  lieber  anders

lösen. Seine standesbewußte Mutter hat für soviel Feigheit überhaupt kein Verständnis. Sie pocht auf Einhaltung der Konventionen: "Das war schon immer so, und wird so bleiben", ist ihr Standardsatz. Auch dem Dorfschulzen wird bei dem Gedanken, dass er in den Wald ziehen muss, ganz anders.
 Die witzige bis spannende Handlung ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die ausgefeilte Figurenzeichnung. Der Autor stößt die Traditionsfiguren reihum von ihrem ehernen Thron. Er beschädigt sie dabei aber nicht, sonder verleiht ihnen in ihrer Komik eine neue Würde. Eva, die Tochter des Dorfschulzen, ist alles andere als eine zart besaitete Maid, die nur darauf

wartet in den Hafen der Ehe einzufahren. Der Spaßmacher mag keinen Spaß, der kauzige Dorfschulze versteckt sich hinter gefüllten Bier- gläsern, der Ritter wird zum Hobby-Gärtner und seine Mutter, die Frau Kunigunde, hält sich eisern an den uralten ritterlichen Tugenden fest. Der Drache ist krampfhaft darum bemüht, Märchenbuchwissen in die Tat umzusetzen. Dabei scheitert er natürlich kläglich.

Ein Drache im güldenen Tuch

Das Bühnenbild kommt der reinen Märchenwelt noch am nächsten.  Es  zeigt  liebevoll  gestalt- ete Burgfassaden.  Auch der dichte, dunkle Wald

strahlt Atmosphäre aus. Bezaubernd die Kos- tüme. Vor allem der Drache hat sich prächtig herausgeputzt. Er trägt nicht etwa wie üblich grün, sondern ist in ein güldenes Knistertuch gehüllt.
 Die Darsteller sind Ulrich Roth (Kaspar Müller/Larifari), Martin Knittel (Ritter Kunz), Cecilia Kecskeméthy (Frau Kunigunde), Rainald Methlow (Dorfschulze Klotz), Katharina Schröder, bzw. Cosima Schuster (Eva, Tochter des Dorfschulzen) und Hans Viktor Kohnle als Drache. Neben den "alten Hasen"  - H.V. Kohnle steht bereits seit 1981 auf dem PiPaPo-Parkett -  sind mit C. Kecskeméthy, K. Schröder und C. Schuster auch einige "neue Gesichter" in der Riege der Schauspieler. Für Bühne und Technik ist Carlo Moldenhauer zuständig.                   moni