Bensheim.
BENSHEIM.
Vor 200 Jahren wurde der große Schriftsteller Hans Christian Anderson geboren.
Bekannt wurde der wohl berühmteste Dichter Dänemarks durch seine Märchen,
darunter "Die Prinzessin auf der Erbse", "Des Kaisers neue Kleider", oder
"Die kleine Meerjungfrau". Das Kindertheater im PiPaPo-Kellertheater würdigt
den Jubilar mit einer Eigenproduktion. Im Rahmen eines Pressegesprächs gab
das Ensemble unter der Regie von Jürgen Rehm erste Einblicke in "Die Prinzessin
und der Schweinehirt". Nach der Premiere am Donnerstag (10.) wird das Stück
jeweils samstags und sonntags aufgeführt.
Während sich in den vergangenen Jahren alles um Abenteuer, Action und
märchenhaftes Glück drehte, schlägt das Kindertheater diesmal eher leisere
Töne an. Im Mittelpunkt steht ein Prinz namens Hans Christian (gespielt
von Ulrich Roth), der eher wie ein Antiprinz wirkt. Er trägt zerrissene
Hosen und eine verwaschene Jacke, aus die er längst herausgewachsen ist.
Er ist auch kein großer Herrscher, wie einst seine Vorfahren. Wehmütig
und betrübt blickt der junge Mann in die Vergangenheit zurück.
Rosalinde, das Küchenmädchen (Christine Fergert), ist die gute Fee im
fast verfallenen königlichen Schloss. Sie liebt den Prinzen und hilft
ihm so gut sie kann. Selbstlos und aufopferungsvoll.
Armut, wie sie der Prinz durchlebt, ist Kaiser
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Kasimir gänzlich fremd. Stolz und hochnäsig kommt er daher.
Der Reichtum hat ihn für die Not der Menschen blind gemacht. Die Realität
benutzt er als Spielball, den er nach Gutdünken biegt und dehnt. Dazu
gehört auch die Sprache. Beispielsweise spricht er donnerstags alle Vokale
als ö, freitags als ä.
Der Kaiser, der den natürlichen Fluss der Dinge
am liebsten in ein künstliches Rinnsal verwandelt, hat einen besonderen
Draht zu Porzellanien, ein Land, in dem kunstvolle Puppen tanzen. Wenn
er davon erzählt, kommt er regelrecht ins Schwärmen. Die Respekt
einflößende, aber auch komische Figur im barocken Spitzenhemd verkörpert
Carlo Moldenhauer.
Pantomimische Szenen
Andersens Märchen sind keine Heile-Welt-Geschichten. Auch "Die Prinzessin
und der Schweinehirt" nicht. In der Vorlage des Schriftstellers entscheidet
sich der arme Prinz gegen die Liebe und für das Geld- er hält um die Hand
der Tochter des Kaisers an. Rosalinde versteht seine Beweggründe und lässt
ihn voller Trauer und Schmerz gehen.
Der Prinz bezahlt dafür einen hohen Preis. Die hochmütige Kaisertochter
(Carolin Bär) lässt er links liegen und lässt sie immerfort das Lied vom
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"Lieben Augustin" singen. Von Herzens-wärme, Freude und Glück keine Spur.
Die PiPaPo-Fassung endet ganz anders als das Original.
Rosalinde, die anfangs auf Grund der Armut auf ihren Prinzen verzichten
muss, wird hier zur Retterin in der Not.
In weiteren Rollen spielen Hans Viktor Kohnle den Hofmarschall Eusebius,
und Lukas Klingenbeck den Trompeter. Die Inszenierung arbeitet mit
starken Kontrasten und einprägsamen Bildern. Auf der einen Seite bittere
Armut und wahre Liebe, auf der anderen Seite der kaiserliche Pomp mit
Glitzer und Glamour. Hier die Realität, dort die Künstlichkeit.
In diesem Zusammenhang spielen auch die Tänzerinnen des Ballettstudios
"Leonor" eine wichtige Rolle. Dr. Jürgen Rehm: "Das Ensemble freut sich,
dass es für diese Produktion zu einer Zusammenarbeit mit dem Ballettstudio
"Leonor" kam, so dass irn Verlauf des Stücks kleine Ballett-nummern und
im dritten Akt pantomimische Szenen integriert werden konnten."
Die Choreografie der Auftritte übenahm Anne Jagoda. Für die Gestaltung
der Bühne zeichnet Carlo Moldenhauer und für die Technik Guido Frantz
verantwortlich.
moni
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