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Bergsträßer Anzeiger, Ausgabe für Samstag/Sonntag, 05./06. November 2005

Bensheim
  BE
Von Liebe, Armut, Glitzer und Glamour
PiPaPo-KELLERTHEATER:  Neue Eigenproduktion "Die Prinzessin und der Schweinehirt"

Bensheim.    BENSHEIM. Vor 200 Jahren wurde der große Schriftsteller Hans Christian Anderson geboren. Bekannt wurde der wohl berühmteste Dichter Dänemarks durch seine Märchen, darunter "Die Prinzessin auf der Erbse", "Des Kaisers neue Kleider", oder "Die kleine Meerjungfrau". Das Kindertheater im PiPaPo-Kellertheater würdigt den Jubilar mit einer Eigenproduktion. Im Rahmen eines Pressegesprächs gab das Ensemble unter der Regie von Jürgen Rehm erste Einblicke in "Die Prinzessin und der Schweinehirt". Nach der Premiere am Donnerstag (10.) wird das Stück jeweils samstags und sonntags aufgeführt.

Während sich in den vergangenen Jahren alles um Abenteuer, Action und märchenhaftes Glück drehte, schlägt das Kindertheater diesmal eher leisere Töne an. Im Mittelpunkt steht ein Prinz namens Hans Christian (gespielt von Ulrich Roth), der eher wie ein Antiprinz wirkt. Er trägt zerrissene Hosen und eine verwaschene Jacke, aus die er längst herausgewachsen ist. Er ist auch kein großer Herrscher, wie einst seine Vorfahren. Wehmütig und betrübt blickt der junge Mann in die Vergangenheit zurück. Rosalinde, das Küchenmädchen (Christine Fergert), ist die gute Fee im fast verfallenen königlichen Schloss. Sie liebt den Prinzen und hilft ihm so gut sie kann. Selbstlos und aufopferungsvoll.

Armut, wie sie der Prinz durchlebt, ist Kaiser
Kasimir gänzlich fremd. Stolz und hochnäsig kommt er daher. Der Reichtum hat ihn für die Not der Menschen blind gemacht. Die Realität benutzt er als Spielball, den er nach Gutdünken biegt und dehnt. Dazu gehört auch die Sprache. Beispielsweise spricht er donnerstags alle Vokale als ö, freitags als ä.
Der Kaiser, der den natürlichen Fluss der Dinge
am liebsten in ein künstliches Rinnsal verwandelt, hat einen besonderen Draht zu Porzellanien, ein Land, in dem kunstvolle Puppen tanzen. Wenn er davon erzählt, kommt er regelrecht ins Schwärmen. Die Respekt einflößende, aber auch komische Figur im barocken Spitzenhemd verkörpert
Carlo Moldenhauer.


Pantomimische Szenen

Andersens Märchen sind keine Heile-Welt-Geschichten. Auch "Die Prinzessin und der Schweinehirt" nicht. In der Vorlage des Schriftstellers entscheidet sich der arme Prinz gegen die Liebe und für das Geld- er hält um die Hand der Tochter des Kaisers an. Rosalinde versteht seine Beweggründe und lässt ihn voller Trauer und Schmerz gehen.

Der Prinz bezahlt dafür einen hohen Preis. Die hochmütige Kaisertochter (Carolin Bär) lässt er links liegen und lässt sie immerfort das Lied vom
"Lieben Augustin" singen. Von Herzens-wärme, Freude und Glück keine Spur. Die PiPaPo-Fassung endet ganz anders als das Original. Rosalinde, die anfangs auf Grund der Armut auf ihren Prinzen verzichten muss, wird hier zur Retterin in der Not.

In weiteren Rollen spielen Hans Viktor Kohnle den Hofmarschall Eusebius, und Lukas Klingenbeck den Trompeter. Die Inszenierung arbeitet mit starken Kontrasten und einprägsamen Bildern. Auf der einen Seite bittere Armut und wahre Liebe, auf der anderen Seite der kaiserliche Pomp mit Glitzer und Glamour. Hier die Realität, dort die Künstlichkeit.

In diesem Zusammenhang spielen auch die Tänzerinnen des Ballettstudios "Leonor" eine wichtige Rolle. Dr. Jürgen Rehm: "Das Ensemble freut sich, dass es für diese Produktion zu einer Zusammenarbeit mit dem Ballettstudio "Leonor" kam, so dass irn Verlauf des Stücks kleine Ballett-nummern und im dritten Akt pantomimische Szenen integriert werden konnten."

Die Choreografie der Auftritte übenahm Anne Jagoda. Für die Gestaltung der Bühne zeichnet Carlo Moldenhauer und für die Technik Guido Frantz verantwortlich.                                moni

  Premierenfoto
        "Hans Christian Andersens Märchchen "Die Prinzessin und der Schweinehirt" steht als
          neue Eigenproduktion des PiPaPo-Kellertheaters auf dem Spielplan.           tz/Bild: Latz