|
Bensheim.
Neun Schauspieler,
sieben Türen, Hektik auf der Bühne.
Die Leute geben sich ständig die
Klinke in die Hand, werfen sich im
Vorbeigehen Ratschläge zu und
verwickeln sich in verquere
Beziehungskisten. Ein Leben wie im Flug.
Hier rein, da raus. Zusätzlich gibt
der Regisseur seine Anweisungen,
korrigiert mal diesen, mal jenen
Akteur. Das Chaos fünf Minuten vor
der Premiere ist komplett. Da wird
schnell klar: die Vorbereitungen zu
dem Theater-abend sind zumindest
in diesem Fall spannender als die
Klamotte (Titel: "Noises off" oder
"Spaß muss sein") selbst.
Es ist "Der nackte Wahnsinn", den Michael
Frayn da in seiner Komödie beschreibt.
Die Eigenproduktion des PiPaPo-Kellertheaters
hat am 18. Oktober Premiere. Im Rahmen
eines Pressegesprächs gaben die Theatermacher
schon mal einen kurzen Einblick in Ihre
Vor-bereitungen zu dem Spektakel.
Die Hektik im ersten Teil des "Nackten
Wahnsinns" ist durchaus noch steigerungsfähig.
Im Verlauf der drei Akte nehmen
Rasanz und Komik stetig zu. Das
Stück zeigt Theater im Theater mit all seinen
Beziehungskisten, komischen Ver-wicklungen und
Missgeschicken auf verschiedenen Bühnenebenen.
Regisseurin Ute Weis beschert den
Zuschauern damit einen turbulenten,
amüsanten Theater-abend, der die Welt der
Bühne bisweilen in ein irrwitzig komisches
Licht taucht. Sprachwitz und Ironie sind
allgegenwärtig. Dafür bürgt Michael Frayn,
der - 1933 in einem Vorort von London
geboren - seine
|
Karriere als Reporter
beim Guardian begann, 1970 als Bühnenautor
debütierte und 1982 den Durch-bruch
mit "Der nackte Wahnsinn" schaffte.
Das Stück stellte für das PiPaPo-Team
eine echte Herausforderung dar. Schon
allein das Bühnenbild verlangt kreative
Köpfe. Frayn geht von einer zweistöckigen
Drehbühne aus, auf der sich das Theater-
|
leben abspielt.
Einen solchen üppigen Aufbau kann das
Kellertheater nicht bieten. Weniger
problematisch dagegen, dass zeitweise
sehr viele Akteure über die kleine PiPaPo-Bühne
huschen. Die Enge steigert noch mal
die Rasanz und komische Hektik der Situation.
Das Problem löst die Regisseurin,
indem sie die Darsteller im Off oder auf einer ima-
|
ginären Bühne agieren bzw. sprechen lässt.
Auch den Schauspielern wird einiges
abverlangt. Sie agieren in Doppelrollen, sind
mal einfache Bühnenfigur, dann wieder
mimen sie Personen des Spiels im Spiel.
Unentwegt wechseln sie von einer Rolle in
die andere. Hinzu kommt: Die Handlung
macht mächtig Tempo. Angesichts der
Rasanz sind punktgenaue Präsenz und
Pointen erforderlich. Da überlässt man besser
nichts oder möglichst wenig der Improvisation.
Doch Ute Weis kann mit Anette Fischer,
Jan Hauptmann, Hans V. Kohnle, Bettina
Kügler, Rainald Methlow, Carlo Moldenhauer,
Barbara Müller, Alexander Schilz
und Tanja Weber auf bewährte Mitspieler
zurückgreifen.
Anders als die Figuren in "Der Nackte
Wahnsinn" sieht sie der Premiere gelassen
entgegen. "Wir haben uns getraut und sind
überzeugt", lässt sie wissen. Schließlich ist
die Inszenierung dieses Stücks eine Idee,
mit der sie shon seit Jahren schwanger
geht.
Grund genug auch, der neuen
Theatersaison gespannt entgegenzusehen:
Im Kellertheater sorgen derweil einige
Schmankerl für eine wohligere Atmosphäre.
Ein neuer Vorhang und eine neue Lüftungsanlage
haben das Ambiente leicht verändert.
Übrigens: Über den Spielplan hinaus sind
auch im Fall der Frayn-Inszenierung
Sondervorstellungen möglich, die bei Ute Weis
(Tel: 01774032166) gebucht werden können.
moni
|