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Bergsträßer Anzeiger,  Ausgabe für Samstag/Sonntag,  06./07. Oktober 2001,  Nr. 231

Bensheim
 BA11/LT13/LaLi13/HP13
"Der nackte Wahnsinn" im PiPaPo-Kellertheater
Proben für die Eigenproduktion laufen auf Hochtouren / Premiere am 18. Oktober / "Wir haben uns getraut und sind überzeugt"

Bensheim.     Neun Schauspieler, sieben Türen, Hektik auf der Bühne. Die Leute geben sich ständig die Klinke in die Hand, werfen sich im Vorbeigehen Ratschläge zu und verwickeln sich in verquere Beziehungskisten. Ein Leben wie im Flug. Hier rein, da raus. Zusätzlich gibt der Regisseur seine Anweisungen, korrigiert mal diesen, mal jenen Akteur. Das Chaos fünf Minuten vor der Premiere ist komplett. Da wird schnell klar: die Vorbereitungen zu dem Theater-abend sind zumindest in diesem Fall spannender als die Klamotte (Titel: "Noises off" oder "Spaß muss sein") selbst.
    Es ist "Der nackte Wahnsinn", den Michael Frayn da in seiner Komödie beschreibt. Die Eigenproduktion des PiPaPo-Kellertheaters hat am 18. Oktober Premiere. Im Rahmen eines Pressegesprächs gaben die Theatermacher schon mal einen kurzen Einblick in Ihre Vor-bereitungen zu dem Spektakel. Die Hektik im ersten Teil des "Nackten Wahnsinns" ist durchaus noch steigerungsfähig. Im Verlauf der drei Akte nehmen Rasanz und Komik stetig zu. Das Stück zeigt Theater im Theater mit all seinen Beziehungskisten, komischen Ver-wicklungen und Missgeschicken auf verschiedenen Bühnenebenen.
    Regisseurin Ute Weis beschert den Zuschauern damit einen turbulenten, amüsanten Theater-abend, der die Welt der Bühne bisweilen in ein irrwitzig komisches Licht taucht. Sprachwitz und Ironie sind allgegenwärtig. Dafür bürgt Michael Frayn, der - 1933 in einem Vorort von London geboren - seine

Karriere als Reporter beim Guardian begann, 1970 als Bühnenautor debütierte und 1982 den Durch-bruch mit "Der nackte Wahnsinn" schaffte.
    Das Stück stellte für das PiPaPo-Team eine echte Herausforderung dar. Schon allein das Bühnenbild verlangt kreative Köpfe. Frayn geht von einer zweistöckigen Drehbühne aus, auf der sich das Theater-

leben abspielt. Einen solchen üppigen Aufbau kann das Kellertheater nicht bieten. Weniger problematisch dagegen, dass zeitweise sehr viele Akteure über die kleine PiPaPo-Bühne huschen. Die Enge steigert noch mal die Rasanz und komische Hektik der Situation.
    Das Problem löst die Regisseurin, indem sie die Darsteller im Off oder auf einer ima-

ginären Bühne agieren bzw. sprechen lässt.
    Auch den Schauspielern wird einiges abverlangt. Sie agieren in Doppelrollen, sind mal einfache Bühnenfigur, dann wieder mimen sie Personen des Spiels im Spiel. Unentwegt wechseln sie von einer Rolle in die andere. Hinzu kommt: Die Handlung macht mächtig Tempo. Angesichts der Rasanz sind punktgenaue Präsenz und Pointen erforderlich. Da überlässt man besser nichts oder möglichst wenig der Improvisation.
    Doch Ute Weis kann mit Anette Fischer, Jan Hauptmann, Hans V. Kohnle, Bettina Kügler, Rainald Methlow, Carlo Moldenhauer, Barbara Müller, Alexander Schilz und Tanja Weber auf bewährte Mitspieler zurückgreifen.
    Anders als die Figuren in "Der Nackte Wahnsinn" sieht sie der Premiere gelassen entgegen. "Wir haben uns getraut und sind überzeugt", lässt sie wissen. Schließlich ist die Inszenierung dieses Stücks eine Idee, mit der sie shon seit Jahren schwanger geht.
    Grund genug auch, der neuen Theatersaison gespannt entgegenzusehen: Im Kellertheater sorgen derweil einige Schmankerl für eine wohligere Atmosphäre. Ein neuer Vorhang und eine neue Lüftungsanlage haben das Ambiente leicht verändert.
    Übrigens: Über den Spielplan hinaus sind auch im Fall der Frayn-Inszenierung Sondervorstellungen möglich, die bei Ute Weis (Tel: 01774032166) gebucht werden können.
moni

VIEL ARBEIT. Die raffiniert witzige Komödie von Michael Frayn "Der nackte Wahnsinn" wurde  von Ute Weis speziell für das Bensheimer PiPaPo-Kellertheater bearbeitet und inszeniert. Keine leichte Aufgabe, wie sie bei einer Pressekonferenz bestätigte. Gelungen ist es trotzdem und die hoffentlich zahlreichen Zuschauer und Gäste werden sich von der guten Arbeit und der neuerlichen Eigenproduktion überzeugen. Premiere ist am Donnerstag dem 18. Oktober. Unser Bild zeigt die Theatertruppe, die sich auf die Aufführungen freut.               df/Bild: Funk