| Vorstellungskalender | Kindertheater | Schauspiel | Gastspiele | Vorverkauf | So finden Sie uns | Wir über uns | Pressestimmen |
       Bergsträßer Anzeiger,  Ausgabe für Mittwoch,  16. Mai 2007             Zurück zur Pressestimmen-Übersicht

Ein Paradies ohne Männer - zumindest auf der Bühne
PIPAPO:  "Goethe"-Theater spielt Saunders "Irre alte Welt"

Bensheim.  Die Zukunft ist weiblich. Zumindest auf der Bühne des PiPaPo-Keller-theaters: Die Frauen haben sich des männlichen Teils der Menschheit entledigt und pflanzen sich jetzt alleine fort. Die Szene spielt sich nicht etwa auf der griechischen Insel Lesbos ab, sondern auf einer Südseeinsel mit Palmen-strand und einer fruchtbaren Vegetation, die den Frauen Nahrung in Hülle und Fülle gibt.
 Die Damen leben wie im Paradies, Wie in einem Traum von Feministinnen aus den 70er und 80er Jahren. Der Autor James Saunders beschreibt die spannende Ausgangssitua-tion in seinem Stück "Irre alte Welt". Trotz aller Kritik an männlicher Dominanz und Ungleichheit; Die Anzieh-ungskraft zwischen den Geschlechtern ist am Ende zu stark.


        James Saunders "Irre alte Welt" wurde am Montag von der Theater AG des Goethe-Gymnasiums unter
        der Leitung von Dr. Jürgen Rehm im PiPaPo-Kellertheater aufgeführt.                                         tn/Bild: Neu


Brisantes Theaterstück


Saunders karikiert die extrem feministischen Positionen. Plausibel und erträglich werden sie vor allem da-durch, dass der Autor sie um allerlei philosophische Spe-kulationen über den Sinn des Lebens anreichert und mit einer dicken Schicht Ironie überzieht. Unter der Regie von Jürgen Rehm fiel die Wahl der Theatergruppe des Goethe-Gymnasiums auf ein nach wie vor hochaktuelles, brisantes Theaterstück.

Am Montag war im voll besetzten PiPaPo Premiere. Die Goethe-Truppe wurde mit einem Riesenapplaus belohnt. Einige Darsteller zeigten Glanzleistungen. Be-sonders die bisweilen um-fänglichen Monologe hatten es in sich.

Die Südseeinsel ist eine Schutzburg für Frauen, die der Gewalt, Machtgier und dem kapitalistischen Ego-zentrismus der Männer aus-gesetzt waren. Jetzt ist alles Maskuline tabu. Die Frauen


wissen schon gar nicht mehr, was ein Mann ist, sie haben allenfalls noch eine leise Ahnung,  eine  flüchtige  Erinnerung. Eines Tages geschieht das Unausweichliche; Zwei Herren werden nach einem Schiffbruch an den Strand gespült. Sie brechen in die Idylle der fünf ‚Schwestern' ein, die sich als gähnende Langeweile ent- puppt.
Den Herren selbst erging es bis dato kaum besser. Sie hatten nur vage Vorstellungen von Frauen. Die Erinnerung an ihre Mutter ist verschwommen. In ihrer Un- sicherheit versucht einer den Damen mit Macho-Allüren zu imponieren. Doch damit passt er genau in die verhasste Schublade, die die Vorfahren der Insel- bewohnerinnen für immer zu- schlagen wollten.
Aller Vernunft zum Trotz erweist sich die gegenseitige Anziehungs- kraft schließlich als übermächtig.

Die Inszenierung ist trotz der bisweilen langen Dialoge und Monologe rasant und temporeich; Die jungen Akteure beherrschen den Text aus dem Effeff. Das schrille Handlungsgerüst mit seinen Konfrontationen, seiner Komik und seinen verblüffenden


Wendungen unterstützen sie durch eine ausdrucksstarke Sprache und eine wohldosiert eingesetzte Gestik und Mimik. Damit verleihen sie den Figuren zugleich klare, glaubwürdige Konturen.

Fünf Frauen, zwei Männer


Einerseits die fünf Frauen: Caroline (Lisa Como) ist anmutig und lieblich, eine Blumen pflückende Fee, die ein Vamp sein könnte. Jo (BerritTheel) ist kämpferisch, sie besticht durch Stärke, Hartnäckigkeit und Mut. Die etwas naive Lorna (Teresa Nyc) ist urkomisch und auf eine verrückte Weise sprachbegabt. Sie versucht beispielsweise bei jeder sich bietenden Gelegenheit in un-terschiedlichen Sprachen Kontakt mit dem "Strandgut" aufzunehmen, das einen "makaberen Reiz" auf sie ausübt. Die nachdenkliche, ruhige Sheila (Emely Ulbricht) kann einfach nicht glauben; dass der Mann von Natur aus böse ist. Die starke Helena, gespielt von Justin McIlhargey, hat einen trockenen Humor.

 Die beiden jungen Männer sind


ein ungleiches, ständig im Clinch miteinander liegendes Brüderpaar. Lukas Ritter mimt den Junior, ein liebenswürdiger, aber tumber Softie, der von seinem zornigen großen Bruder   ( überzeugend:   Nikolai  Ulbricht )  ständig  nieder- gemacht wird. Der Ältere will nicht nur seinen Bruder, sondern quasi in einem Aufwasch auch gleich die Frauen unterdrücken. Er will ihnen von Anfang an klar machen, wer der Boss ist.

 Die jungen Damen deuten sein Geschrei und seine Herum- fuchtelei jedoch als Hilflosigkeit. Erst als er sie galant umgarnt und mit Bücklingen hofiert, wird er verstanden.

 Bis es soweit ist, geben ironische Untertöne und erotische Zwei-deutigkeiten den Ton an.

 Das prächtige Bühnenbild mit Palmenstrand, gelb-orange-gleis-sender Sonne, Meeresrauschen und Vogelgezwitscher ließ schon mal Sommergefühle und Karibik-sehnsüchte aufkommen. PiPaPo-Techniker Carlo Moldenhauer verwandelte die Bühne mit viel Liebe zum Detail in dieses Schlaraffenland.                     moni