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Bensheim.
Die Zukunft ist weiblich. Zumindest auf der Bühne des PiPaPo-Keller-theaters:
Die Frauen haben sich des männlichen Teils der Menschheit entledigt und
pflanzen sich jetzt alleine fort. Die Szene spielt sich nicht etwa auf
der griechischen Insel Lesbos ab, sondern auf einer Südseeinsel mit
Palmen-strand und einer fruchtbaren Vegetation, die den Frauen Nahrung
in Hülle und Fülle gibt.
Die Damen leben wie im Paradies, Wie in einem Traum von Feministinnen
aus den 70er und 80er Jahren. Der Autor James Saunders beschreibt die
spannende Ausgangssitua-tion in seinem Stück "Irre alte Welt". Trotz
aller Kritik an männlicher Dominanz und Ungleichheit; Die Anzieh-ungskraft
zwischen den Geschlechtern ist am Ende zu stark.
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James Saunders "Irre alte Welt" wurde am Montag von der Theater AG des Goethe-Gymnasiums unter
der Leitung von Dr. Jürgen Rehm im PiPaPo-Kellertheater aufgeführt.
tn/Bild: Neu
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Brisantes Theaterstück
Saunders karikiert die extrem feministischen Positionen. Plausibel und
erträglich werden sie vor allem da-durch, dass der Autor sie um allerlei
philosophische Spe-kulationen über den Sinn des Lebens anreichert und mit
einer dicken Schicht Ironie überzieht. Unter der Regie von Jürgen Rehm
fiel die Wahl der Theatergruppe des Goethe-Gymnasiums auf ein nach wie
vor hochaktuelles, brisantes Theaterstück.
Am Montag war im voll besetzten PiPaPo Premiere. Die Goethe-Truppe wurde
mit einem Riesenapplaus belohnt. Einige Darsteller zeigten Glanzleistungen.
Be-sonders die bisweilen um-fänglichen Monologe hatten es in sich.
Die Südseeinsel ist eine Schutzburg für Frauen, die der Gewalt, Machtgier
und dem kapitalistischen Ego-zentrismus der Männer aus-gesetzt waren.
Jetzt ist alles Maskuline tabu. Die Frauen
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wissen schon gar nicht mehr, was ein Mann ist, sie haben
allenfalls noch eine leise Ahnung,
eine flüchtige Erinnerung. Eines Tages geschieht das
Unausweichliche; Zwei Herren werden nach einem
Schiffbruch an den Strand gespült. Sie brechen in die Idylle der fünf
‚Schwestern' ein, die sich als gähnende Langeweile ent-
puppt.
Den Herren selbst erging es bis
dato kaum besser. Sie hatten nur
vage Vorstellungen von Frauen. Die
Erinnerung an ihre Mutter ist
verschwommen. In ihrer Un-
sicherheit versucht einer den
Damen mit Macho-Allüren zu
imponieren. Doch damit passt er
genau in die verhasste Schublade,
die die Vorfahren der Insel-
bewohnerinnen für immer zu-
schlagen wollten.
Aller Vernunft zum Trotz erweist sich die gegenseitige Anziehungs-
kraft schließlich als übermächtig.
Die Inszenierung ist trotz der
bisweilen langen Dialoge und Monologe rasant und temporeich; Die jungen
Akteure beherrschen den Text aus dem Effeff. Das schrille Handlungsgerüst
mit seinen Konfrontationen, seiner Komik und seinen verblüffenden
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Wendungen
unterstützen sie durch eine ausdrucksstarke Sprache und eine wohldosiert
eingesetzte Gestik und Mimik. Damit verleihen sie den Figuren
zugleich klare, glaubwürdige Konturen.
Fünf Frauen, zwei Männer
Einerseits
die fünf Frauen: Caroline (Lisa Como) ist anmutig und lieblich,
eine Blumen pflückende Fee, die ein Vamp sein könnte. Jo (BerritTheel)
ist kämpferisch, sie besticht durch Stärke, Hartnäckigkeit und Mut.
Die etwas naive Lorna (Teresa Nyc) ist urkomisch und auf eine verrückte
Weise sprachbegabt. Sie versucht beispielsweise bei jeder sich bietenden
Gelegenheit in un-terschiedlichen Sprachen Kontakt mit dem "Strandgut"
aufzunehmen, das einen "makaberen Reiz" auf sie ausübt. Die nachdenkliche,
ruhige Sheila (Emely Ulbricht) kann einfach nicht glauben; dass der Mann
von Natur aus böse ist. Die starke Helena, gespielt von Justin McIlhargey,
hat einen trockenen Humor.
Die beiden jungen Männer sind
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ein ungleiches, ständig im Clinch miteinander
liegendes Brüderpaar. Lukas Ritter mimt den Junior, ein liebenswürdiger, aber
tumber Softie, der von seinem zornigen großen Bruder
( überzeugend: Nikolai Ulbricht ) ständig nieder-
gemacht wird. Der Ältere will nicht nur seinen Bruder, sondern quasi in
einem Aufwasch auch gleich die Frauen unterdrücken. Er will ihnen von
Anfang an klar machen, wer der Boss ist.
Die jungen Damen deuten sein Geschrei und seine Herum-
fuchtelei jedoch als
Hilflosigkeit. Erst als er sie galant umgarnt und mit Bücklingen hofiert,
wird er verstanden.
Bis es soweit ist, geben ironische Untertöne und erotische
Zwei-deutigkeiten den Ton an.
Das prächtige Bühnenbild mit Palmenstrand, gelb-orange-gleis-sender Sonne,
Meeresrauschen und Vogelgezwitscher ließ schon mal Sommergefühle und
Karibik-sehnsüchte aufkommen. PiPaPo-Techniker Carlo Moldenhauer verwandelte
die Bühne mit viel Liebe zum Detail in dieses Schlaraffenland.
moni
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